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Urzeitkrebse.de

 

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Wissenschaftliche Beiträge
 
Lebenswelten von Triops sowie anderen Urzeitkrebsen

Während die kleinen Details der praktischen Haltung zwar sehr wichtig sind, so ist doch zumindest ein kleiner Überblick über die Biologie der Urzeitkrebse für ein gewisses Verständnis auch vorauszusetzen.

Im Groben stimmt der Bau sämtlicher Kiemenfüßer, abgesehen von manchen äußeren Unterschieden, überein. Aus mindestens 10 Paar Rumpfgliedmaßen besteht der längliche Körper, zudem trägt der Kopf in der Regel ein Paar Komplexaugen sowie 2 Paar Fühler. Dagegen gesehen ist die Schale, wenn auch ein sehr auffallendes, so doch nur ein rein äußerliches Merkmal. Allerdings kann es gut als Unterschiedsmerkmal dienen.

Je nach Vorhandensein oder Nichtvorhandensein einer Schale werden die beiden Gruppen der sogenannten Kiemenfüßler als Notostraca, was nichts anderes als Rückenschaler bedeutet, oder Anostraca, was nichts anderes als Ohnschaler bedeutet, genannt. Dies kann auch mit den Familiennamen Triopsidae (Triopsähnliche) die Branchipodidae (Branchipusähnliche) geschehen.

Die Muschelschaler oder Conchostraca sind von einer zweiklappigen Schale eingeschlossen, und da sie meist Muscheln ähnlich im Schlamm mehr oder weniger eingeschlossen leben, kommen sie auch wenig zur Beobachtung. Den Wasserflöhen sind sie im Körperbau relativ gleich. An dieser Stelle möchte ich gleich, um endlich auch das Muschelkrebs-Forum mit ein paar Begeisterten zu füllen, auf meinen früheren Muschelkrebs-Bericht hinweisen.

Blattfüße bzw. Phyllopoden sind für alle drei oben genannten Gruppe die kennzeichnenden Füße, die wie eine bestimmte Anzahl teils borstentragender Lappen darstellen und flach wie Blätter sind. Deswegen der Name Blattfüßer. Diese Blattfüße werden auch überhaupt nicht durch das dünne Chitinskelett gestützt, sondern durch den sogenannte Turgor, den inneren Zelldruck. Dies dürfte vielen aus der Schule bekannt vorkommen. Deswegen besitzen die Füße auch keine Gelenke. Zwar sind beim erwachsenen Tier die Füße offensichtlich hintereinanderliegende Blätter. Allerdings zeigt sich in der Ontogenese beim Larvalstadium, daß sich die Fußanlage vorne in zwei homologe, also gleichartige, Innen- und Außenast spaltet. Wie sie für die Krebstiere kennzeichnend sind, so sind also auch die Kiemenfüßergliedmassen eigentlich ebenfalls Spaltfüße. Nun können wir die Verwandtschaftsverhältnisse der Niederen Krebse etwas genauer anschauen: Unter den Phyllopoda (Blattfüßer) versteht man die Euphyllopoda (echten bzw. Groß-Blattfüßer), welche aus den genannten Kiemenfüßern bestehen und die Cladocera (Wasserflöhe, die auch im Besitz von Blattfüßen sind und manchmal als Kleinblattfüßer bezeichnet werden). Diese Blattfüßer bilden dann die erste Ordnung der Entomostrace (Niedere Krebse). Diesen folgen als weiter Ordnungen die bereits genannten Ostracoda sowie die Copepoda (Hüpferlinge oder Ruderfüßer).

Verschiedenheite gibt es bei den drei Gruppen bei Beinbau und -bedeutung. Während die 11 Beinpaare der Anostraken fast gleich sind, bestehen bei den über 40 Beinpaaren der Notostraken größere Unterschiede. Bei den Anostraken fungieren die Innen- und Außenäste, welche ja mit "Borsten" versehen sind, als Schwimmruder; dabei ist der Innenrand kaum gegliedert, die Enditen (mit feinen Borsten besetzte Lappen) dienen als Nahrungsfilter, der Außenrand mit dem Kiemensäckchen und zwei Exiten, weiteren Lappen, werden für die Atmung benötigt - insgesamt sind die Blattfüße also sowohl Filter-, Kiemen- und Schwimmfüße. Trotz der Vielgestaltigkeit der Beine bei den Notostraken ist auch hier immer derselbe Grundaufbau zu sehen - die 40 Beinpaare enstehen aus einem Innenast mit 5 Enditen, aus dem Außenast, aus dem als Kiemen dienenden Nebenast und dem Kieferast, der zum Kauen gebraucht wird. Von vorn nach hinten nimmt die Größe der Beinpaare ab. Diese Zusammensetzung kann man beim lebenden Tier sehr schön Beobachten, bei Interesse kann man sich auch ein totes Tier mal genauer anschauen. Falls da wer Fotos etc. gemacht hat, bitte melden!
 
"Die ersten Entwicklungsschritte durchlaufen die Eier von Branchipus sofort nach dem Übertritt in den Brutbeutel, wie von Leydig schon vor 100 Jahren festgestellt. Da dasselbe auch für die Dauereier der Wassserflöhe gilt, ist anzunehmen, daß bei allen Blattfüßern die Eier schon auf einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium abgelegt werden, um in die Ruheperiode überzugehen. Ob die Eier erst einfrieren oder austrocknen müssen, scheint für die einzelnen Arten verschieden zu sein, Für manche Formen aus kaltem Wasser ist es erwiesen. Andererseits sind in einzelnen Fällen sowohl Branchipus wie Triops in Aquarien von Jahr zu Jahr wieder aufgetreten, ohne daß der Schlamm mit den Eiern eintrocknete. Es wird vermutet, daß die harte Eischale erst gelockert werden müsse, was in einzelnen Fälle durch Trockenheit oder Frost, in anderen schon durch langes Lagern in Wasser geschehe.

Aus den Eiern entsteht bei allen Großblattfüßern zunächst eine freischwimmende Larve, die wie bei allen Krebsen Naupilus genannt wird. Der kurze Rumpf besteht eigentlich nur aus dem Kopfabschnitt, an dem die beiden Antennenpaare und der künftige Oberkiefer zunächst Ruder- und Fangborsten tragen und zum Schwimme dienen. In der Mitte der Stirn steht ein unpaares kleines Auge. Die Nauplien können unter Umständen schon zwei Tage nach der Überflutung des Schlammes auftreten, bei Kälteformen noch unter dem Eis, ein weiterer Hinweis darauf, daß die Entwicklung schon vor der Eiablage begonnen hatte.. Auch die weitere Entwicklung vollzieht sich bei günstigen Bedingungen sehr rasch; mehrere Häutungen folgen im Abstand von wenigen Tagen aufeinander. Dabei entstehen am sich verlängernden Rumpfe nach und nach immer mehr Körperabschnitte mit Ruderfüßen. Gleichzeitig nehmen Antennen und Kiefer unter Verlust der Borsten ihre endgültige Forma an. Im Zusammenhang mit dem Hauptteil des Nervensystems, dem Oberschlundganglion, entstehen rechts und links im Kopf die zusammengesetzten großen Augen, die durch Vorwachsen eines Kopfteils bei den Anostraken schließlich auf Stiele gestellt werden. Die Entwicklung zum geschlechtsreifen Tier kann in wenigen Tagen vollendet sein. Die Eier sinken in den Schlamm oder werden schwimmend an das Ufer getrieben. Soweit bekannt, entwickeln sie sich aber bei uns auch bei günstigen Bedingungen nicht sofort zu einer zweiten Generation. Reiche Ernährung wird also nur zur Bildung von vielen Tausenden von Eiern, nicht von neuen Tieren ausgenutzt, wie bei den Wasserflöhen."

Während wir heute wissen, daß das Äußere von Salzkrebschen je nach der Umgebung, z.B. abhängig von Temperatur und Salzgehalt des Wohnwassers, stark unterschiedlich sein kann, wurden früher viele Arten unterschieden. Später sah man dann, daß all diese Formen durch Übergänge miteinander verbunden sind und daß sie allein vom Salzgehalt des Wassers abhängen: Bei niedrigem Salzgehalt entstehen die größten Formen, der Vorderkörper mit den Gliedmaßen ist mindestens ebenso lang wie der Hinterkörper, zusätzlich ist deutlich eine Schwanzgabel mit Borsten vorhanden. Bei steigender Salzkonzentratio entwickeln sich kleinere Individuen, deren Hinterkörper länger als der Vorderkörper ist und die mit einer weniger schönen Schwanzgabel ausgestattet sind. Bei sehr starker Salzkonzentration verschwindet die Schwanzgabel sogar komplett. Dadurch, daß die verschiedenen Stämme teilweise ungleich variieren, wird das Ganze noch ein wenig komplizierter.

 Auch bei Lepidurus apus (sollte jemand den gerade züchten, bitte melden!!) gibt es Änderungen bezüglich der Länge der Schwanzplatte und der Anordnung der Dornen am Hinterleibsende, wobei sich keine Zuordnung zur chemische Zusammensetzung des Wohnwassers machen ließ.

Der Teil in Anführungszeichen ist direkt aus Conrad Vollmer: Kiemenfuß, Hüpferling und Muschelkrebs entnommen. Das Buch dürfte wohl leider kaum mehr aufzutreiben sein, ich habe es nur in der ETHZ-Bibliothek ergattern können. Da ich selber im Forum an der "Austrocknungsdebatte" beteiligt war, habe ich mir gedacht, daß dies neutraler ist.

Auf meinen frühere Muschelkrebstext habe ich bereits hingewiesen, irgendwann wird auch noch einer über Hüpferlinge sowie mehrere über das Jahr verteilt mit weiteren Themen folgen.

Ich hoffe, daß Euch meine Forumsbeiträge sowie die Texte sowohl aus praktischer als auch "theoretischer" Sicht etwas weiterhelfen.  MM