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Presseartikel
Seltener Urzeitkrebs in Pfützen am Rhein nach Hochwasser stark vermehrt
(Meldung vom 22.7.1999)
Das Rheinhochwasser in diesem Frühjahr hat hervorragende Lebensbedingungen für seltene Urzeitkrebse geschaffen. Der Krebs "Triops cancriformis", der sich seit 300 Millionen Jahren kaum verändert hat, trete nun entlang des Rheins in großer Zahl auf, berichtet die Umweltstiftung Deutschland des World Wide Fund For Nature (WWF). "Für diese ungewöhnlichen Krebse waren die Wasserlachen, die sich hinter den Deichen gebildet haben, ein Segen", erklärte der Leiter des WWF-Aueninstituts, Prof. Emil Dister. Die auch als "Veteranen der Erdgeschichte" bezeichneten bis zu sechs Zentimeter großen Tiere mit braun-grünem Rückenpanzer stehen bundesweit auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Die an mehreren Stellen, darunter auch in der Vorder- und Südpfalz sowie in der Nähe von Rastatt gefundenen Tiere entwickeln sich nur unter günstigen Voraussetzungen in größeren Pfützen, die im Normalfall schnell wieder austrocknen. Die Urzeitkrebse schlüpfen aus winzigen Eiern, die jahrelang im Boden liegen und auch Trockenheit und Frost überstehen. Die Tiere benötigen nach Expertenangaben die warme und brackige Atmosphäre der Wassertümpel, die noch dazu frei von Feinden wie Fischen sind. Scheren hat der Triops nicht. Doch kommt er dennoch gut an die Nahrung heran. Er wedelt seine Beute mit Hilfe der Beine einfach von hinten nach vorn zum Maul. Die hinteren Beine haben die Form eines Blattes und fungieren zugleich als Kiemen. Der Krebs, der am Tümpelgrund lebt, läßt sich neben Schwebeteilchen auch gerne Schnakenlarven oder einen toten Regenwurm schmecken. Die Lebensräume des "Triops cancriformis" würden häufig zerstört, weil landwirtschaftliche Flächen entwässert und Unebenheiten planiert worden seien, kritisierte Dister. Aus diesem Grunde habe auch die rheinland-pfälzische Umweltministerin Klaudia Martini (SPD) an die Landwirte appelliert, jene Stellen, an denen Triops gefunden wurde, in Ruhe zu lassen. Die Ministerin versprach Entschädigungen für dadurch entstehende Ernteausfälle. Der anhaltend hohe Wasserstand des Rheins schafft laut WWF auch für andere Tiere ungewöhnlich gute Lebensbedingungen. So tummelten sich in den Gewässern der Rheinauen auffällig viele Jungfische. Darüber hinaus brüteten in der Nähe von Rastatt mehr als ein Dutzend der seltenen weißen Flußseeschwalben.
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