Aufzuchtstagebuch
I.)
Vorwort
Hallo alle zusammen!
Ich habe früher als kleiner
Knirps von 12 Jahren mit großer Begeisterung Salzkrebschen aus einem
Experimentierkasten gezüchtet, habe meinen Spaß dran gehabt, musste es nur
irgendwann aufgeben, weil irgendwann mal Eier alle waren und ich keine mehr
nachbekommen habe. Habe dann durch ein Verlagsprospekt mitbekommen das es auch
eine Triops - Farm gibt. Habe daraufhin mich erst mal schlau gemacht, was denn
überhaupt Triops sind, bin bei der Suche unter anderem auch über www.urzeitkrebse.de gestolpert. Habe
mich einmal durch die Bildergalerie durchgeklickt und einmal ein wenig im Forum
gestöbert. Habe mich von da an total für die niedlichen Tiere begeistert und
bin sofort auf, mir alles nötige für die Zucht zu besorgen. Doch der
Experimentierasten mit seinen über 30 Euro war mir dann doch etwas zu deftig...
Habe mir deswegen „übriges“ Aquarium - Material von Vater und einem Kumpel
schenken lassen und mir dann die Eier samt Futter im Shop auf der Seite
bestellt.
Ich selber habe keine eigenen
Erfahrungen mit Triops gemacht, es ist also meine erste Zucht. Ich werde mir
hin und wieder Hilfe aus dem Forum holen, wenn ich nicht weiterkomme, oder ich
Probleme habe. Ich war besonders angetan von der Idee ein Aufzuchtstagebuch zu
machen, wie Gummi es bereits vor mir getan hat. Ich habe zur Zeit Ferien, und
habe alles nötige Material zur Verfügung um den Zuchtversuch ausreichen mit
Text und Bildern zu dokumentieren. Der Grund warum ich das mache ist einmal
weil ich mich für die Tiere interessiere, weil ich sie gerne studieren möchte
und Merkmale an ihrem Verhalten selbst entdecken will und auch um anderen
angehenden Züchtern vielleicht die ein oder andere Hilfestellung bei ihrer eigenen
Zucht zu geben. Ich werde jeden Tag mehrmals einen Blick auf das Aquarium
werfen, und mit Bild dokumentieren, was sich da so tut, um euch möglichst nahe
ans Geschehen zu bringen. Hin und wieder werde ich auch mal ein paar Tipps aus
dem Forum mit einbringen, die vielleicht für den ein oder anderen Züchter
nützlich sein könnten. Ich bitte darum um tatkräftige Mitarbeit aus dem Forum,
um dieses Aufzuchttagebuch möglichst informativ und brauchbar für alle Züchter
zu machen. Da es im Moment scheinbar viele unterschiedliche Meinungen gibt, was
gut ist und was nicht möchte ich nach Möglichkeit ( das es 100% nicht möglich
ist, ist mir klar ) ein allgemein gültiges Nachschlagewerk schreiben, wo alles
wichtige aus dem Forum kompakt zusammen steht.
So, frohes Schaffen und viel Spaß
beim mitschreiben und beim lesen
Stephan Torske
II.)
Der Triops
Der Triops gilt als das älteste noch lebende Tier
auf dieser Welt. Man schätzt, das die ersten Vertreter dieser Spezies bereits
vor 220 Millionen Jahren das Licht der Welt erblickt haben. Sie gehören zur
Spezies der Branchiopoden, den Kiemenfüßlern, zur Unterfamilie der Notostraca,
der Rückenschaler. Der Triops verfügt über 40 und mehr Beinpaare, zwei
längliche am Kopf befindliche Antennen, und drei Augen, woher auch sein Name kommt
( gr. Triops = Dreiauge ) Er hat eine große fingernagelförmige Schädelplatte,
unter dem sein Kopf, seine Beine und seine Organe liegen, sie ist ziemlich hart
und dient ihm als Rüstung. Er hat einen länglichen Schwanz, der mit
schuppenähnlichen Plättchen besetzt ist. An der Schwanzspitze hat er einen
zweigeteilten Gabelschwanz.
Triops sind Allesfresser, sie können sich sowohl von
tierischer als auch von pflanzlicher Nahrung ernähren. Im Nauplienstadium
ernähren sie sich von Plankton und anderen pflanzlichen Schwebteilchen, die im
Wasser sind. Diese filtern sie mit Hilfe ihrer Ruderbeinchen aus dem Wasser.
Die erwachsenen Tiere ernähren sich von kleinen Insekten wie Mückenlarven,
Kaulquappen und Würmern. Allgemein lässt sich aber sagen das sie sich sehr Proteinreich
ernähren, da sie die Proteine für ihres Wachstum benötigen. Triops häuten sich
je nach Umweltbedingungen unterschiedlich oft und benötigen daher große Mengen
an Proteinen. Wie viele andere krebsähnliche Tiere werfen sie ihre alte Haut ab
um die darunter neu gebildete zum Vorschein zu bringen.
Man unterscheidet generell zwischen 11 Unterarten
der Triops von denen sich Hauptsächlich nur zwei für die Aquarienzucht eignen :
Triops Longicaudatus ( In Amerika beheimatete Spezies, darum auch als Ami bezeichnet
) und Triops cancriformis ( In Mitteleuropa beheimatet, darum auch als Euro
bezeichnet ). Die Amis, leicht an ihren rötlich gefärbten Beinen und der
blaugrauen Schädelplatte zu erkennen werden in Gefangenschaft bis zu 9cm lang.
Sie bevorzugen Temperaturen ab 24°C. Die Euros haben hingegen eine bräunlich
gefärbte Schädelplatte, die zahlreiche Flecken aufweist, ihre Beine sind
bräunlich bis schwarz. Ihr Körper ist im Vergleich zu den Amis bulliger und
rundlicher, wohingegen die Amis einen eher langgestreckten Körper haben. Euros
werden bis zu 11cm lang und bevorzugen Temperaturen ab 22°C.
Die Triops vermehren sich über sogenannte
Jungfernzeugung, was soviel bedeutet wie das die Eier des Weibchens nicht
befruchtet werden müssen um das aus ihm eine Nauplie schlüpft. Es kommt auch
nicht zu einem Austausch der Gene der beiden Elterntiere was dazu führt, dass
die Nauplie ein natürlicher Klon der Mutter ist. Bei den Triops gibt es fast
ausschließlich Weibchen. Man schätzt etwa jeder hundertste Triops ist ein
Männchen. Es wird vermutet, dass die Männchen dazu da sind neue genetische
Anpassungen durchzuführen, um sich dem Lebensraum schneller anzupassen. Das, so
die derzeitige Meinung der Wissenschaftler ist der Grund, warum sie schon viele
Millionen Jahre leben. Es gibt noch eine Besonderheit bei ihrer Fortpflanzung :
Triops legen sogenannte „Dauereier“. Diese Eier sind kälte- hitze- und
stoßunempfindlich, sie können theoretisch Jahrhunderte lang ohne Stoffwechsel
und ohne Wasser überleben. Gießt man nun die ausgetrockneten Eier wieder mit
Wasser auf, dauert es nur wenige Tage und die Nauplien schlüpfen. Die
Begründung für dies Verhalten lässt sich in ihrem Umfeld begründen : Triops
haben schon zu einer Zeit gelebt, in der es ihren größten Fressfeind noch nicht
gab : die Fische! Um den Fischen zu entkommen haben sich Triops einen genialen
Trick einfallen lassen, sie haben sich in kleine Tümpel zurückgezogen, die in
einer Trockenperiode austrocknen. Die Triops und die Fische sterben! Doch die
Eier, die die Triops zu Lebzeiten gelegt haben warten nur auf die nächste
Regenperiode, um den Kreislauf ( Schlüpfen, Wachsen, Eierlegen, Sterben,
Schlüpfen… ) wieder von neuem beginnen zu lassen.
III.)
Verwendetes Material / Vorbereitungen für die Zucht
Als Aquarium verwende ich ein
handelsübliches Glasaquarium mit 80 l Fassungsvermögen. Als Bodenbelag verwende
ich Quarzsand mit einer Körnung von etwa 1mm, den ich erst mal kräftig
ausgewaschen habe, bis keine Verunreinigungen, Staub oder sonst was mehr im
Sand waren. Habe den Sand etwa 3 cm hoch im ganzen Aquarium verteilt. Ich
verwende destilliertes Wasser aus dem Supermarkt, wovon ich genau 60l in das
Aquarium gefüllt habe. Habe an dem Aquarium ein Kristallthermometer angebracht,
um die Temperatur abzulesen. Die Temperatur regele ich mit einem 50 Watt Heizstab
, den ich auf 26 – 27°C eingestellt habe. Für die Filterung benutze ich einen
kleinen Plastikkasten, der mit Aktivkohle und mit Filterwatte gefüllt wird. Er
wird mit einer kleinen Membranpumpe betrieben. Ich benutze ein sehr kleines
Modell mit 2 Watt Leistung. Zusätzlich habe ich für die Belüftung noch einen
Sprudelstein, den ich auch noch ersatzweise anschließen kann. Für die
Beleuchtung benutze ich eine 15 Watt Leuchtstoffröhre mit etwa 80 Lux
Lichtintensität.

Quarzsand » 3cm hoch Filterkasten
Ausströmerstein destilliertes Wasser

Heizstab
50W Kristallthermometer
Als Standort habe ich einen etwa
1m hohen Schrank in einer Ecke neben einem Fenster gewählt, ein mal um das
Aquarium keinen direkten Sonnenstrahlen auszuliefern, und um es vor dem kalten
Fußboden zu schützen. Das Aquarium steht in einem Gartenhaus, weit weg vom
nächsten menschlichen Wesen, damit die Tiere ganz für sich alleine sind, und
ihre Ruhe genießen können, aber auch um das Risiko der Verunreinigung das
Wassers möglichst gering zu halten, wegen Zigarettenqualm oder Küchengerüchen.
Ich denke das ist der ideale Standort für die kleinen Triops.

Aquarium
links unbeleuchtet, rechts beleuchtet
Für die Zucht habe ich mir zwei
Ansätze besorgt, einen Ansatz mit Amis ( Triops Longicaudatus ) und einen mit
Euros ( Triops cancriformis ), um eine Mischung beider Arten zu haben und um
ihr Verhalten bei gleichen Bedingungen besser vergleichen zu können.
Als Futter benutze ich
Staubfutter für Jungfische, für die älteren Tiere Mückenlarven und Kraftfutter
für Triops.

Algen,
getrocknet Staubfutter für Nauplien Kraftfutter Triops
Jetzt ein paar Worte zu den
Vorbereitungen die ich getroffen habe : Es ist unbedingt nötig, dass das Wasser
sauber und frei von Schadstoffen ist; darum habe ich den Sand mehrmals
gründlich mit Leitungswasser ausgewaschen, habe den Sand dazu in einen
Plastikeimer gefüllt, und immer so 5 cm hoch mit Wasser aufgegossen, dann
mehrmals den Sand gut durchgemengt, das Wasser wieder abgegossen und wieder von
vorne. Die ganze Prozedur habe ich solange gemacht bis das Wasser, was über dem
Sand ist, klar und sauber bleibt, auch nach intensivem Durchmischen. Habe dann
ein letztes Mal den Sand mit destilliertem Wasser durchgemischt, um eventuelle
Verunreinigungen die aus dem Leitungswasser stammen könnten auch noch zu
entfernen. Habe das Aquarium ebenfalls mehrmals mit Leitungswasser und mit
einem neuen unbenutzten Schwamm mehrmals ausgewaschen, zum Schluss auch einmal
wieder mit destilliertem Wasser ausgespült. Habe dann den Sand ins Aquarium
gepackt und grob schon mal so verteilt, wie er später liegen soll. Zum Wasser
auffüllen habe ich einen einfachen Trick benutzt, um nicht allen Dreck der doch
noch irgendwo drin sein sollte, aufzuwühlen : Habe eine Untertasse in den Sand
gelegt und habe dann das destillierte Wasser auf den Teller geschüttet, so kann
man das Wasser einfüllen ohne größere Probleme, wenn schon so ein paar cm hoch
Wasser im Aquarium steht, das Wasser einfach gegen die Aquarienwand gießen, so
kann man das Becken nach und nach auffüllen. Habe das Becken bis 5cm unter den
Rand gefüllt, um das Beckenvolumen voll auszunutzen. Habe auch gleich den
Heizstab mit den Saugnäpfen an der Beckenwand montiert, und habe ihn auf
27-28°C eingestellt. Habe die Pumpe und den Filterkasten auch schon im Aquarium
angebracht und eingeschaltet. Habe das Aquarium 1 Woche vor Zuchtbeginn
aufgebaut und alle Geräte, Heizung, Pumpe und Filter laufen lassen, um das
Wasser auspendeln zu lassen, damit sich Ph- Wert, Temperatur und alles sonstige
auspendeln können. Habe ein Aquarium mit Deckel gewählt damit sich kein Staub
im Wasser anlagern kann, und damit verdunstetes Wasser gleich wieder zurück ins
Becken tropft.
Habe auch noch etwas zusätzliches
Material, Habe einen kleinen 8*5 cm Kescher der normalerweise für junge Guppys
benutzt wird, er ist sehr feinmaschig und eignet sich sowohl für junge Triops
wie auch für etwas ältere Tiere. Das Netz ist sehr fein und weich, das sich die
Tiere nicht verletzen können. Für die ausgewachsenen Tiere habe ich einen 15 *
8 cm Kescher, der wird aber erst später zum Einsatz kommen.

Kescher
Noch ein paar Hinweise :
-
Das Ausspülen das Aquariums und des Sandes ist dringend notwendig, da
Triops sehr empfindlich auf Schadstoffe im Wasser reagieren! Wichtig bei allen
Reinigungsaktionen ist es komplett auf Chemie zu verzichten! Kein
Desinfektionsmittel und keine Seife.
-
Anstatt destilliertem Wasser kann man auch stilles Mineralwasser oder
auch Regenwasser nehmen, in vereinzelten Fällen auch Leitungswasser. Das
wichtigste ist, dass das Wasser einen möglichst neutralen Ph- Wert, eine
geringe Härte und keine Schadstoffe wie Schwermetalle oder sonstiges enthält.
-
Die Beckengröße sollte am Anfang gering sein, etwa 2-5 Liter. Später je
nach Population dann ein größeres Becken. Man rechnet pro cm Triops 1 Liter
Wasser. Also bei 5 Tieren á 5 cm wären 25 Liter ok.
-
Der Heizstab ist nicht zwingend notwendig, wenn man die Wassertemperatur
aus anderen Gründen über 22°C halten kann ( Auch nachts!!! ) braucht man sie
nicht unbedingt. Die Euros bevorzugen Temperaturen ab 22°C, die Amis stehen
mehr auf etwas höhere Temperaturen, so ab 24°C. Ich habe mich bewusst für eine
höhere Temperatur entschieden, da sich die Tiere bei warmen Wasser besser
entwickeln. Der Haken an der Sache ist, das sich Bakterien auch besser
entwickeln! Doch daher ich einen guten Filter drinnen habe, brauche ich mir
keine Sorgen zu machen!
-
Die Pumpe ist auch nicht unbedingt notwendig, man sollte aber dennoch
für ausreichende Sauerstoffzufuhr sorgen. Einige benutzen lieber chemische
Oxidatoren, die über chemische Reaktionen das Wasser mit Sauerstoff anreichern,
andere Verlassen sich auf Pflanzen wie Wasserpest und Entengrütze, aber auch
Sprudelsteine oder ähnliches sind gut geeignet.
-
Ein Filter ist auch nicht unbedingt notwendig, doch grade wenn man ein
Becken mit höheren Temperaturen hat, sollte man nicht auf ihn verzichten!
Aktivkohle filtert Mikropartikel aus dem Wasser, Filterwatte kümmert sich um
die physikalische Reinigung, entfernt also grobe Schmutzteilchen, wie Staub
oder Fussel aus dem Wasser. Es gibt auch spezielle Bakterienkulturen zu kaufen
die das Wasser aufbereiten! Doch hier bitte vorher informieren ob die Kulturen
auch zum Becken passen!!!
-
Beckenbeleuchtung ist sehr wichtig! Triops lieben es hell. Sie
bevorzugen 14 Stunden am Tag Licht. Das kann men entweder durch normales
Tageslicht, eine Aquarienbeleuchtung aber auch durch eine einfache Schreibtischlampe
erreichen! Von direkter Sonneneinstrahlung wie z.B. direkt unter einem Fenster
ist abzuraten, da das Wasser so aufheizen kann und kritische Temperaturen
erreichen kann!
-
In den ersten Tagen sollte man jedoch auf Technik verzichten, weil die
Nauplien die ersten Tage lieber ungestört sein wollen. Lediglich Heizung und
Licht können anbleiben
-
Für die Nauplien sollte man einen sogenannten Brutkasten verwenden. Der
Brutkasten ist ein kleiner Plastikkasten der oben an der Oberfläche des
Aquariums schwimmt. Er hat witzig kleine Ritzen an den Seiten über die er mit
dem Aquarium verbunden ist, also das Wasser innen die selben Eigenschaften hat
wie das Wasser außen. Noch dazu sind die Ritzen so fein, das selbst die
winzigen Nauplien nicht durch sie schlüpfen können und ins große Becken
gelangen. Ist ein entscheidender Vorteil, weil man die Tiere nicht erst beim
Umsetzen an das andere Wasser gewöhnen muss, sondern sie im Prinzip schon in
ihrem späteren zuhause sind.
-
Zum Füttern der Triops kann man fast alles nehmen! Triops sind
Allesfresser und können fast jede Nahrung verwerten. Man sollte jedoch darauf
aufpassen, dass die Nahrung der Triops besonders proteinhaltig ist, da die
Triops viele Proteine brauchen, um ihre Häutungen durchzuführen. Besonders gut
eignen sich für die erwachsenen Tiere Lebendfutter wie Würmer, Mücken- und
Fliegenlarven, aber auch gefriergetrocknete Insekten sind gut. Für Nauplien
empfiehlt sich Algenstaubfutter. Man sollte jedoch nicht mehr füttern, als die
Tiere auch wirklich fressen, um Schimmelbefall vorzubeugen.